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HONORE DAUMIER

 

 

 Honoré Daumier „Michelangelo der Karikatur“

 

 

 

 

Kunsthaus Apolda Avantgarde, 22. April - 17. Juni 2012

 

 

Er war vielleicht der schärfste Beobachter einer bewegten Zeit, die er in treffenden, zuweilen beißenden Karikaturen kommentierte. Als Karikaturist der satirischen Pariser Zeitschriften La  Caricature  und Le Charivari begleitete Honoré Daumier (1808-1879) die französische und europäische Geschichte des 19. Jahrhunderts mit einer spitzen Feder, die sowohl politische Ereignisse als auch die Tücken des Alltags mit treffenden und humorvollen Lithographien protokollierte. Daumier wurde im Februar 1808 geboren und erlebte den Aufstieg des französischen „Bürgerkönigs“ Louis Philippe im Jahre 1830 ebenso mit wie dessen Fall im Jahre 1848. Er blickte skeptisch auf die Thronbesteigung Napoleons III. und verfolgte die expansionistische Politik europäischer Großmächte bis zur Niederlage Frankreichs gegen Preußen im Jahre 1871.

 

Etwa 4000 zwischen 1832 und 1875 entstandene Lithographien bilden das zentrale Werk des Künstlers, der vom Dichter Charles Baudelaire verehrt und vom Historiker Jules Michelet als „Michelangelo der Karikatur“ bezeichnet wurde.  Honoré Daumier war ein Zeitgenosse Victor Hugos, Heinrich Heines und Honoré de Balzacs, und wie letzterer hatte er in der Zeit der politischen, technischen und gesellschaftlichen Umbrüche ein aufmerksames Auge für die Comédie Humaine, die menschliche Komödie, die sich sowohl in den Unwegsamkeiten des bürgerlichen Alltags als auch in der Organisation der Verwaltung niederschlug.

 

So fanden Minister, Advokaten, Künstler, Schauspieler, aber auch der „ganz normale“ Bürger und die Randfiguren der Gesellschaft Eingang in das Werk Daumiers. Wie kein zweiter vor ihm portätierte er die staatstragenden Herren der Gesellschaft in scharfer Überspitzung, hatte aber auch ein Auge für die Last des Alters, die Widrigkeiten des Wetters und die Kehrseiten des technischen Fortschritts, der den Bürger in überfüllte Eisenbahnabteile und zugige Pferdebusse pferchte.

 

In den wenigen Jahren, in denen die französische Presse von der Zensur unbehelligt blieb, zeichnet sich Daumiers Werk zudem durch schonungslose Darstellung der Staatsgewalt und bissigen Spott gegenüber den Herrschern aus. Besonders frappierend ist die außergewöhnliche Aktualität in Daumiers Werk, in dem man durchaus große Ähnlichkeiten zu gegenwärtigen Verhältnissen findet. So schuf er mit der satirischen Figur des „Robert Macaire“ den Prototyp des bürgerlichen Gewinnlers, dem der Profit jedes Mittel heiligt, entlarvt Advokaten und Politiker als selbstverliebte Schauspieler und blickt mit feiner Ironie auf Künstler und deren Publikum.

 

Nicht zuletzt die Großmachtträume der europäischen Staaten, die Daumier in treffenden Karikaturen skizziert, erinnern an das Gebaren so manchen Politikers im frühen 21. Jahrhundert. Doch nicht nur als scharfer Beobachter seiner Zeit, auch als außergewöhnlich begabter Zeichner und Lithograph besitzt Honoré Daumier in der Kunst eine besondere Bedeutung. Seine Zeichentechnik erweist sich als seiner Zeit weit voraus und wurde bereits von seinen Zeitgenossen offen bewundert.

 

Der kunstvolle Umgang mit Schattierung, Licht und Physiognomie heben sein Werk weit über die bloße Karikatur hinaus und regten auch impressionistische Künstler wie Max Liebermann an, Lithographien von Honoré Daumier zu sammeln. In der überspitzten Gestaltung menschlicher Gestik und Körperhaltung entwarf Daumier zudem ein Menschenbild, das uns bis heute in Karikaturen und den so genannten „Graphic Novels“ immer wieder begegnet.

 

Mit der Ausstellung Honoré Daumier. „Michelangelo der Karikatur“ zeigt sich, dass die Inhalte der Karikaturen Daumiers weit über die Ereignisse ihrer Zeit hinausstrahlen. In Zusammenarbeit mit der Honoré-Daumier-Gesellschaft wurde ein Werk-Konvolut von ca. 140 Werken ausgewählt, das repräsentativ für sein das Schaffen ist und die entscheidenden Themen seines Oeuvres enthält. Neben Lithographien gehört dazu auch eine Reihe von Büsten aus der Akademie der Künste, Berlin, in denen Daumier zeitgenössische Politikerköpfe überspitzt karikiert.  Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der eine umfassende Auswahl aus den präsentierten Werken abbildet und das Thema  mit wissenschaftlichen Beiträgen begleitet.

 

 

 

   

 

 

   

 

 

 

 

 

 

 

22.04. bis 17.06.2012

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                Unter der Obhut der Kuratoren Andrea Fromm und Thomas Beege fand auch "Das ministerielle Irrenhaus" (1832) seinen Platz in Apolda. Foto: Peter Michaelis

"Michelangelo der Karikatur"